„Je suis l’autre – Ich bin der Andere“
Die Jahrgangsstufe 2 des Kepler-Gymnasiums zeigte mit ihrem Theaterabend „Je suis l’autre – ich bin der Andere“ eindrucksvoll, dass große Themen nicht nur in großen Häusern verhandelt werden müssen.
In ihrer szenischen Interpretation unterschiedlicher Werke, die sie im Französisch- und Ethik-Unterricht behandelt haben, öffnen sie zunächst die Büchse der Pandora und es entfaltet sich – im wahrsten Sinne des Wortes – ein Panorama unserer Gegenwart: Krieg, Kolonialismus, Völkermord, Antisemitismus, Misogynie, kaltes Machtstreben. Wie sollen wir tagtäglich mit all dem Leid umgehen, dem wir kaum entrinnen können?
Die Jugendlichen bringen die von Ulli Schönthal, Französischlehrerin im Abibac-Kurs, arrangierten Textauszüge mit erstaunlicher Klarheit und spürbarer Betroffenheit auf die Bühne. Besonders stark wirken die wechselnden Formen: das Schattentheater verdeutlicht in eindrücklicher Form den Genozid in Ruanda, die Standbilder frieren Momente kollektiven Versagens im Kontext der Shoah ein und der Gesang öffnet Räume, in denen Emotionen eine eigene Sprache finden dürfen.
Trotz der Schwere des Stoffs bleibt das Stück nicht in der Dunkelheit stehen. Im finalen Dialog heben die Jugendlichen die zarte, aber hartnäckige Hoffnung hervor – jene berühmte letzte Gabe der Pandora – und betonen die Fähigkeit, sich in den Anderen hineinzuversetzen. So wird der Abend zu einer poetischen Mahnung, dass Empathie kein Luxus ist, sondern eine Überlebenskompetenz.
Französisch bilingual trifft Ethik Leistungsfach