FAUST - Der Tragödie Erster Teil

Die Theater-AG spielte unter Leitung von Frau Marckmann Goethes FAUST in einer ganz besonderen Version: Angeregt durch das Zitat „Zwei Seelen wohnen, ach in meiner Brust, Die eine will sich von der anderen trennen...“ (V 1112-1117; Vor dem Tor), das die innere Zerrissenheit zwischen diametralen Sehnsüchten ausdrückt, wurde die Hauptfigur von zwei – gleichzeitig agierenden! – Darstellern gespielt. Ebenso wurde Mephisto, die personifizierte Intelligenz ohne Gefühl und der Verführer zum unverantwortlichen Handeln, von vier Darstellern übernommen. Auch die Figur der Marthe wurde in zwei „Marthes“ gesplittet, nur Gretchen, die als einzige zum Opfer der Erfüllung der menschlichen Sehnsüchte wird, wurde in all ihrer Verlassenheit und Schuld von nur einer Spielerin dargestellt.

Im Zentrum unserer (gekürzten) Fassung steht die rücksichtslose Suche Heinrich Fausts nach Genuss und Lust, nach Selbstverwirklichung und Selbstbefreiung, der Gretchen zum Opfer fällt. Das schlichte Bühnenbild repräsentiert drei mögliche Lebenswelten: die Welt Fausts, Marthes und Gretchens, veranschaulicht über neutrale Stellwände in weiß. Ganz bewusst setzten wir immer wieder Musik aus Strawinskys „Sacre du printemps“ ein. In der Ballettmusik, die 1913 einen der größten Musikskandale der Musikgeschichte auslöste, wird die die Opferung einer Jungfrau dargestellt, die sich zu Tode tanzt.